Hindernisse auf Spielplätzen

Bernhard Rüdisüli von der Schweizerischen Fachstelle für behindertengerechtes Bauen engagiert sich für das Projekt „Spielplätze für alle“ von Denk an mich. Als Kind mit einer Gehbehinderung und als Vater im Rollstuhl machte er spezielle Erfahrungen auf Spielplätzen:

Bernhard Rüdisüli, Sie setzen sich für behindertengerechte Spielplätze ein. Was haben Sie selbst als Kind auf Spielplätzen erlebt?
Als Kind war ich noch nicht im Rollstuhl, ich ging an zwei Stöcken. Ich war fast überall mit dabei. Auf Spielplätzen war für mich jedoch bald eine Grenze erreicht - die Auswahl an Spielmöglichkeiten war sehr beschränkt: Auf die Schaukel konnte ich mich noch raufziehen, jedoch nicht mehr auf Kletterstangen oder Kletterbögen. In den Sandkasten wollte ich immer. Dort konnte ich die Gesellschaft der anderen Kinder geniessen und Sandburgen und Tunnels bauen. Schwierig war es, wenn der Sandkasten keinen Rand hatte, auf dem ich absitzen konnte. Ich liess mich dann einfach reinplumpsen. Eine grosse Herausforderung war es jeweils, wieder herauszukommen. Das ging meistens nicht ohne Hilfe. 

Später gingen Sie mit Ihrer Tochter Selina auf den Spielplatz. Was waren Ihre Erfahrungen?
Zu der Zeit war ich schon Rollstuhlfahrer. In unserem Quartier hatte ich kein Glück mit den Spielplätzen. Sie waren alles andere als hindernisfrei. Viele hatten entweder eine Einhagung, Stufen, Schwellen oder Kiesbeläge. Deshalb konnte ich nur an wenige Spielgeräte heranfahren und meine Tochter Selina musste meist alleine auf Entdeckungsreise gehen. Leider konnte ich sie dabei nicht begleiten, ihr nah sein und sie ermutigen. Manchmal kam es vor, dass sie Angst hatte und sich nicht getraute, von einem Gerät runterzuklettern. Ich konnte dann nur aus der Distanz helfen und erklären: halte dich dort mit dieser Hand fest, gehe dahin mit jenem Fuss, schön langsam! Wir beide haben natürlich geschwitzt und waren froh, wenn das Abenteuer überstanden war.

Ich wünschte mir wahnsinnig intensiv, näher an die Spielgeräte herangehen zu können, damit ich Selina begleiten, halten oder unten bei der Rutschbahn auffangen kann. Sie hatte einige harte Landungen auf dem Po. Das sind unsere spezifischen Erlebnisse, die ein Kind nur erlebt, wenn es Eltern im Rollstuhl hat.

Sie sind Fachberater für behindertengerechtes Bauen. Worauf muss man bei Spielplätzen achten, damit auch Menschen mit einer Behinderung gut zurecht kommen?
Die Spielplätze sollen für alle sein und allen Freude bereiten. Auch Kinder mit einer Behinderung müssen die Spielgeräte nutzen können, damit sie mit ihren Geschwistern und Freunden mitspielen können. Ein gutes Beispiel ist die Vogelnestschaukel, ein Gerät, das bei vielen Kindern äusserst beliebt ist – ob Klein oder Gross, mit oder ohne Behinderung!

Hindernisfreier Zugang zu den einzelnen Spielgeräten ist ebenfalls notwendig, damit sich Kinder mit einer Gehbehinderung frei bewegen, Dinge selbst ausprobieren und Neues entdecken können; dies fördert Ihre Selbständigkeit. Zudem können auch Eltern oder Grosseltern mit einer mobilen Einschränkung ihre Kinder begleiten und Ihnen Nähe und Sicherheit bieten.

Was trägt das Projekt „Spielplätze für alle“ dazu bei?
Das Spielplatz-Projekt von Denk an mich fördert diese Anliegen: es schafft bei Behörden und Spielplatzbetreibern aber auch bei der Öffentlichkeit Bewusstsein, dass Spielplätze ebenfalls für Menschen mit einer Behinderung zugänglich sein müssen. Viele haben das Gefühl, dass hindernisfreie Spielplätze sehr teuer sind. Die „Spielplätze für alle“ zeigen auf, dass mit der richtigen Planung hindernisfreie Spielplätze auch ohne grosse Mehrkosten umsetzbar sind.

Wenn Sie in die Zukunft schauen, worauf freuen Sie sich?
Ich freue mich darauf, dass ich eines Tages mit meinen Grosskindern auf hindernisfrei zugänglich und nutzbare Spielplätze gehen und sie beim Spielen und Entdecken begleiten und unterstützen kann.