Gehörlosigkeit und Schriftsprachenkompetenz.

Information und Kommunikation stehen in unserer Gesellschaft ganz oben. Wie aber ist der Zugang zu Informationen für Gehörlose? Eingeschränkt: Kommentare, Erklärungen und weiterführende Erläuterungen nehmen sie oft nicht wahr – trotz modernen Hörhilfen. Dadurch kann als indirekte Folge einer Hörbehinderung ein generalisierter Wissens- und Erfahrungsmangel entstehen. Vieles, dass in der Welt passiert, bleibt unverständlich.

Nur 30% der Fernsehsendungen sind untertitelt, Radio ist für Gehörlose kein Thema. Zeitungen sind zwar gute Alternativen, aber auch hier sind sie täglich mit Schwierigkeiten konfrontiert. Hörbehinderte müssen mühselig jedes Wort erlernen. Fremdwörter, lange Sätze, Sarkasmus oder Schlagzeilen, die mit Metaphern arbeiten, verstehen sie meistens nicht. Warum diese mangelnde Schriftsprachenkompetenz bei Gehörlosen? Der Erwerb der Sprache und die Entwicklung des Sprachzentrums im Gehirn ist ein komplexer Vorgang. Viele hörbehinderte Menschen hatten als Kind einen sehr eingeschränkten Zugang zu Sprache und Kommunikation. Noch heute wird in der Schweiz das Hauptinteresse auf den Erwerb der Lautsprache gelegt: Hörbehinderte Kinder werden lautsprachlich orientiert unterrichtet. Die Gebärdensprache spielt dabei nur eine sekundäre Rolle.

Zum Verstehen eines Textes ist jedoch viel mehr erforderlich als lautsprachliche Kompetenz. Es ist vom Wissen abhängig, das ein Leser in den Verarbeitungsprozess einbringt. Lesen und damit einhergehendes Verstehen heisst nicht bloss Wörter wiedererkennen, sondern deren Bedeutung in einen Kultur- und Sinnzusammenhang zu stellen. Da dieser Hörbehinderten in einer für sie schwer zugänglichen Kommunikationsform vermittelt wird, bleiben Gehörlose oft auf einem tiefen Niveau stehen. Sie können nur wenig Nutzen aus den schriftlichen Informationen ziehen. Die tägliche Lektüre vieler gehörloser Erwachsener ist daher oft auf leicht zu lesende Tageszeitungen und Zeitschriften beschränkt. Auch das Internet vermögen nur wenige Gehörlose als Informationsquelle zu verwenden; die Sprache überfordert sie. 

FOCUSFIVE Web TV – Fernsehen für Gehörlose.

Um das Informationsdefizit bei Hörbehinderten zu mindern, bietet ihnen FOCUSFIVE Web TV Zugang zu Informationen in ihrer eigenen Sprache an, der Gebärdensprache. Damit jedoch auch gebärdensprachunkundige Interessierte teilhaben können, werden alle Beiträge untertitelt und vertont. Das Programm ist vielfältig: FOCUSNEWS berichtet über Neuigkeiten aus der Welt, erklärt Begriffe aus Politik, Wirtschaft und dem täglichen Leben und bringt sie in einen verständlichen Zusammenhang. Was heisst zum Beispiel Globalisierung, Klimaerwärmung, Assimilation oder Integration? 

FOCUSTALK ist das Sendeformat, das Kommunikation ganz besonders ins Zentrum rückt. Dabei werden Persönlichkeiten aus Politik, Sport und Kultur zum Gespräch gebeten oder es werden Expertinnen und Experten zu einem bestimmten fachlichen Gebiet befragt. Während bei FOCUSTALK das Gespräch im Vordergrund steht, berichtet FOCUSLIFE vor Ort. Es werden Themen aufgegriffen, die das tägliche Leben betreffen: politische Beiträge finden genauso Ihren Raum wie gesellschaftliche, sportliche und kulturelle Reportagen. FOCUSKIDS vermittelt hörbehinderten Kindern auf unterhaltsame Weise Wissen.

Seit mehreren Jahren unterstützt Denk an mich FOCUSFIVE Web TV.

Weitere Informationen zu FOCUSFIVE Web TV finden Sie hier.