Die Wohngemeinschaft Steinenbach unterwegs.

Das grosszügig konzipierte Toggenburgerhaus in Ebnat-Kappel gehört zum Verein Chupferhammer und dient seit 1987 einer sozialpädagogischen Wohngemeinschaft von sechs erwachsenen Menschen mit geistiger Behinderung. Wie alle Wohngruppen der Institution Verein Chupferhammer, ist auch die WG Steinenbach klein. Sie bietet den Bewohnerinnen und Bewohnern einen geschützten Lebensraum mit familiärem Charakter. Darin wird eine möglichst selbstbestimmte, den individuellen Fähigkeiten und Wünschen entsprechende Lebensgestaltung angestrebt. Zu den ganz besonderen Ereignissen in diesem Jahr gehörte eine Ferienwoche auf dem Hausboot «Felicitas» in Holland, wie der Bericht der Sozialpädagogin Anna Murtomaa zeigt.

Die Idee von WG-Ferien in Holland musste lange reifen. Seit Jahren wurde in der Wohngemeinschaft Steinenbach darüber diskutiert, ob wir es uns leisten könnten, eine Woche auf einem Hausboot zu verbringen. Immer wieder waren die Verhältnisse ungünstig. Dieses Jahr sagten wir uns jedoch: Wenn nicht jetzt, dann nie!

Zu Beginn unserer Auffahrtsferien stiegen wir in den Nachtzug nach Amsterdam. Auf den schmalen Betten schliefen die einen sehr gut, die anderen mussten lange auf den Schlaf warten. Am Morgen angekommen, gönnten wir uns zuallererst eine ausgedehnte Pause beim Frühstücken. Danach konnten wir unser Hausboot beziehen und uns dort einrichten. Die Hälfte des Schiffes gehörte eine Woche lang uns, die andere Hälfte bewohnte eine – die Fahrt sehr bereichernde – Gruppe aus Kempten in Allgäu. Im Salon und auf dem Deck trafen wir uns, teilten unsere Gedanken und Beobachtungen einander mit, spielten und schrieben unzählige Postkarten! Im Laufe der Woche lernten die Reisenden sich immer besser kennen und verloren die anfängliche Schüchternheit. Ganz selbstverständlich vermischten sich die Gruppen immer mehr.

Vormittags nach dem Frühstück war jeweils Fahren angesagt. Wir liessen Landschaften an uns vorbeiziehen, beobachteten - mit und ohne Feldstecher - die Gegend. Vom Wasser aus ist Holland sehr ruhig und gemütlich. Wir steckten nie im Stau, nur der Giro d’Italia, der in den Niederlanden gestartet wurde, hinderte uns einmal an der Weiterfahrt. Da stiegen natürlich auch wir auf die Brücke und feuerten die Radfahrer an. Nebst Windmühlen gab es auch Windgeneratorenparks zu bestaunen sowie spannende neue und alte Architektur. An die Nordsee fuhren wir mit dem Bus, liessen unsere Haare vom Wind zerzausen und machten einen langen Spaziergang am Meer. Nachmittags legten wir immer an einem neuen Ort an, dann teilten wir uns meist in kleine Gruppen auf und erkundeten die Gegend zu Fuss oder auf den Velos. An Auffahrt hatten wir besonderes Glück, fand doch eine grosse „Chilbi“ an unserem Anlegeort statt!

Kulinarische Eindrücke, wie Puffertjes, Toastbrot-Zmorgä, wärmendes Suppen-Zmittag und immer tolles Znachtessen mit Dessert sollen nicht unerwähnt bleiben! Die Schiffsfrauen Sanne (Kapitän), Sonni (Steuermann) und Gabi (Gehilfin an Bord für diesen Sommer) wuchsen uns während dieser Woche ans Herz. So war der Abschied herzlich, sowohl von den Kemptnern als auch von der Schiffscrew!

Für die bevorstehende Heimreise stärkten wir uns mit einem feinen Nachtessen in Amsterdam. Dann fuhren wir, begleitet von einem sensationellen Sonnenuntergang, Richtung Schweiz. Diesmal schliefen andere gut, als jene auf der Hinreise. Müde waren am Morgen bei der Ankunft in Zürich aber alle. In Ebnat-Kappel erwarteten uns zwei Mitarbeiterinnen mit einem opulenten Brunch samt herrlichem Brot. Wieder gut zu Hause anzukommen, gehört eben auch zu den schönen Ferienerlebnissen.

Der finanzielle Rahmen unserer Ferien muss jeweils gut vorkalkuliert werden, ist doch der Spielraum für Ausgaben, die nicht zum alltäglichen Rahmen gehören - wie eben Gruppenferien - etwas, was sowohl das persönliche Budget der einzelnen BewohnerInnen wie auch jenes der Haushaltkasse arg strapaziert. Dank der finanziellen Unterstützung durch die Stiftung Denk an mich bleibt ein solches Vorhaben erfreulicherweise nicht einfach ein schöner Traum. Ich bedanke mich im Namen der Bewohnerinnen und Bewohner ganz herzlich für ihren nicht selbstverständlichen Beitrag, der uns den weiten Weg ins Unbekannte ermöglichte!