Sommerzeit ist Ferienzeit.

Ferien, Reisen machen, das wünscht man sich - zumindest für einige Tage im Jahr. Doch für manche Familien sind Ferien keine Selbstverständlichkeit. Wer über wenig finanzielle Mittel verfügt und ein behindertes Familienmitglied betreut, sieht oft keine Möglichkeiten, aus den eigenen vier Wänden herauszukommen. Ganz besonders für Familien mit einem behinderten Kind wäre ein Tapetenwechsel aber wichtig. Ausruhen, abschalten vom oftmals nicht leichten Alltag in der Betreuungsarbeit und Zeit miteinander verbringen. Für die Familie Gisler ist zusammen in die Ferien zu fahren etwas ganz Spezielles – „ein Luxus“ oder „eine Praline“ nennt es Frau Gisler. 

Gislers sind eine Grossfamilie mit fünf Kindern: Severin (13), Robin (11), Andrin (9), Florin (6) und dann noch Lareina (4), die Jüngste. Florin ist ein CP-Kind. Er leidet unter einer cerebralen Kinderlähmung. Darunter versteht man Bewegungsstörungen, deren Ursache in einer frühkindlichen Hirnschädigung liegt. Die Krankheit hat bei Florin zu einer stark verzögerten Entwicklung geführt: Er ist auf den Rollstuhl angewiesen, kann nicht selbständig essen, weder sprechen noch sehen. „Trotzdem kann er sich uns mitteilen“, erklärt seine Mutter. „Durch seine Mimik. Er lacht häufig. Wenn er krank ist und Schmerzen hat, weint er. Und wenn er an etwas grosse Freude hat, dann zappelt und jauchzt er. Wie z. B. beim Baden, das macht ihm besonders Spass. Oder auf dem Trampolin mit seiner kleinen Schwester.“

Herausforderungen und Hürden in den Ferien.

Früher ging die Familie Gisler zelten. Doch das wurde für Frau Gisler zu anstrengend mit Florin: „Man ist sehr gebunden mit dem Rollstuhl. Die Campingplätze sind nicht rollstuhlgängig und der Rollstuhl benötigt viel Platz, den man im Zelt jedoch nicht hat.“ Dann hat Frau Gisler vor rund vier Jahren auf DRS 1 gehört, dass die Stiftung Denk an mich Familien mit einem behinderten Kind unterstützt und hat sich gemeldet. „Für mich war das ein grosser Schritt“, betont sie. „Zum ersten Mal haben wir eine Ferienwohnung gemietet. Das waren unsere ersten richtigen Ferien.“ Zeit bewusst mit der ganzen Familie verbringen, aus dem Alltag ausbrechen, Neues erleben und sich erholen war etwas ganz Besonderes.

Seither gehen Gislers jeden Sommer für jeweils eine Woche in ein Reka-Feriendorf. Dies ist jedoch immer auch mit Herausforderungen und Einschränkungen verbunden. Wenn Familien mit einem behinderten Kind Ferien machen möchten, müssen sie zuerst einen geeigneten Ferienort finden. „Es gibt rollstuhlgängige Wohnungen, aber wir sind eine Grossfamilie. Die Auswahl für uns ist gering“, erläutert Frau Gisler. „Wir wollten eine Wohnung am See mieten, da unsere Kinder – und besonders Florin - gerne baden. Leider habe ich nichts passendes gefunden.“ Zudem sind viele Einrichtungen und Anlagen nicht hindernisfrei. „Mit dem Rollstuhl kommen wir nicht überallhin. Eingänge zu Gondeln sind zu schmal für den Rollstuhl, es hat Stufen und Schwellen auf Spielplätzen oder Wanderwegen. Die Möglichkeiten für Ferien- und Freizeitaktivitäten mit Florin sind eingeschränkt.“ Schwierig ist auch, den unterschiedlichen Bedürfnissen der Kinder gerecht zu werden, bemerkt Frau Gisler: „Die älteren Jungs haben andere Interessen als ihre kleine Schwester. Und mit Florin sind viele Ziele nicht erreichbar.“ 

Die grösste Herausforderung ist jedoch die Finanzierung der Ferien. Familie Gisler muss mit wenig Geld zurechtkommen. Die IV-Beiträge für Florin helfen zwar, reichen jedoch nicht aus, um die Kosten für Betreuung und Hilfsmittel zu decken. Da bleibt nicht viel, um für die Ferien zur Seite zu legen. Die finanzielle Unterstützung der Stiftung Denk an mich ist daher eine grosse Hilfe, mit der die Ferien erst möglich werden.

Die Vorfreude ist gross.

Diesen Sommer gehen Gislers nach Crans-Montana. Und worauf freuen sie sich? Frau Gisler auf „eine Geschirrspühlmachine, mehr Zeit haben, aus dem Alltag rauskommen, alle zusammen sein und Zeit miteinander verbringen.“ Severin freut sich auf die Badi. Robin auf den Fernseher, denn so einen haben sie zu Hause nicht. Und Florin? Selbst kann er es uns nicht sagen. Aber seine Mutter ist überzeugt davon, dass er sich auf die Badi und die Seen freut und darauf, dass seine ganze Familie bei ihm ist. Wir hoffen, dass Florin in Crans Montana viele zappelnde und jauchzende Momente erleben wird.